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Epilepsie beim Pudel: was du während und nach einem Anfall tust

Von der Redaktion von The Poodle Guide · Aktualisiert am 26. Oktober 2026

Graue, lockige Toypudel liegt auf einer gestreiften Bettdecke und leckt sich die Nase

Dein Pudel döst auf dem Sofa, und plötzlich stimmt etwas nicht. Er kippt zur Seite, die Pfoten paddeln, er speichelt, vielleicht geht Urin ab. Eine Minute später steht er wackelig auf und schaut, als wüsste er nicht, wo er ist. Wer das zum ersten Mal sieht, erschrickt zu Tode. Hier steht, was du in diesem Moment tust, was danach in der Tierarztpraxis passiert und was Epilepsie beim Pudel bedeutet.

Nicht jeder Anfall ist Epilepsie

Ein epileptischer Anfall ist eine Art Kurzschluss im Gehirn. Dafür gibt es drei Gruppen von Ursachen. Manchmal liegt das Problem außerhalb des Gehirns, etwa bei einer Vergiftung oder einer Unterzuckerung. Manchmal sitzt es im Gehirn selbst, zum Beispiel eine Entzündung oder ein Tumor. Und wenn sich keine Ursache findet, spricht man von idiopathischer Epilepsie, der „echten“ Epilepsie.

Bei kleinen Pudeln solltest du zuerst an die erste Gruppe denken. Ein Toypudel-Welpe oder ein sehr kleiner Zwergpudel-Welpe hat kaum Reserven und kann bei Stress oder einer ausgefallenen Mahlzeit in eine Unterzuckerung rutschen. Sie beginnt mit Zittern, Mattigkeit und Wackeln und kann in Krämpfen enden. Das betrifft vor allem sehr kleine, junge Hunde, nicht den erwachsenen Pudel oder die größeren Schläge. Mehr dazu bei den ersten Nächten mit dem Welpen. Auch Giftiges wie Xylit oder Schokolade kann bei einem Hund von drei Kilo Anfälle auslösen, siehe was Pudel nicht fressen dürfen.

Alle vier Größen können betroffen sein

Epilepsie ist keine Eigenheit des Toypudels. Sie kommt bei allen vier Pudelgrößen vor. Beim Großpudel wurde in Stammbaumuntersuchungen aus den USA (Licht et al.) eine familiäre Form beschrieben. Und in einer japanischen Studie mit 70 Hunden mit idiopathischer Epilepsie war der Toypudel mit 16 Tieren die am häufigsten vertretene Rasse. Die Studie ist klein und zeigt keine Rasseprävalenz, aber sie passt zum Bild einer Rasse, bei der Erblichkeit eine Rolle spielt. Die Société Centrale Canine in Frankreich führt den Pudel ebenfalls unter den für idiopathische Epilepsie prädisponierten Rassen, mit einem durchschnittlichen Erkrankungsalter von etwa 3,7 Jahren.

Während des Anfalls: was du tust und lässt

Einen Anfall kannst du nicht stoppen. Du kannst aber dafür sorgen, dass dein Hund sich nicht verletzt und dass die Tierärztin hinterher möglichst viele Informationen hat.

  • Ruhig bleiben und Platz schaffen: Stühle und Tischchen wegschieben, den Hund von Treppe und Sofakante fernhalten.
  • Nicht festhalten, nicht ins Maul greifen. Ein Hund verschluckt seine Zunge nicht. Die Kiefer verkrampfen aber, und er kann dich unbeabsichtigt fest beißen.
  • Auf die Uhr schauen. Ein Anfall fühlt sich endlos an, dauert aber meist zwischen einer halben und ein paar Minuten.
  • Filmen, wenn es geht. Ein Video sagt der Tierärztin mehr als jede Beschreibung.
  • Danach Ruhe. Viele Hunde sind nach dem Anfall eine Weile verwirrt, unruhig oder wirken, als sähen sie schlecht. Halte es still und gedämpft und lass ihn zu sich kommen.

Fahr sofort zur Tierklinik oder zum tierärztlichen Notdienst, wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert, wenn mehrere Anfälle hintereinander kommen, ohne dass der Hund dazwischen zu sich kommt, oder wenn es der erste Anfall überhaupt ist und er sich danach nicht schnell erholt. Ein langer Anfall oder eine Anfallsserie ist ein Notfall. Abends und am Wochenende läuft das über den tierärztlichen Notdienst; dort kommt zur Behandlung nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) eine Notdienstgebühr dazu. Such dir die Nummer der nächsten Notdienstklinik deshalb schon heraus, bevor du sie brauchst.

Die Diagnose: Ausschluss

Für echte Epilepsie gibt es keinen Test. Die Tierärztin stellt die Diagnose, indem sie andere Ursachen ausschließt. Nach der internationalen Leitlinie der Veterinary Epilepsy Task Force (IVETF, Tier I) passt idiopathische Epilepsie zu einem Hund, der mindestens zwei nicht ausgelöste Anfälle im Abstand von mindestens 24 Stunden hatte, dessen erster Anfall zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 6. Lebensjahr auftrat und der zwischen den Anfällen bei der allgemeinen und neurologischen Untersuchung unauffällig ist. Blut- und Urinuntersuchung dürfen keine Auffälligkeiten zeigen.

Beginnt es vor dem 6. Monat oder nach dem 6. Lebensjahr, oder gibt es zwischen den Anfällen Auffälligkeiten, ist eine andere Ursache wahrscheinlicher. Dann folgt in der Regel ein MRT, manchmal mit Untersuchung des Nervenwassers, bei einer Spezialistin. Bekommt ein älterer Pudel plötzlich Anfälle, ist das also ein ernstes Gespräch.

Führ ab dem ersten Anfall ein Protokoll: Datum, Uhrzeit, Dauer, was du gesehen hast und wie lange das Zu-sich-Kommen dauerte. Darauf stützt sich später die Entscheidung, ob und wann behandelt wird.

Behandlung: weniger Anfälle, nicht immer null

Nach einem einzelnen Anfall wird meist noch nicht behandelt. Gründe für den Start von Medikamenten sind unter anderem zwei oder mehr Anfälle innerhalb eines halben Jahres, mehrere Anfälle kurz hintereinander (Cluster) oder ein sehr langer Anfall. In Deutschland sind Phenobarbital und Imepitoin (Pexion) gängige Mittel, beide verschreibungspflichtig. Pexion ist seit 2013 in der EU zugelassen und kam im selben Jahr auf den europäischen Markt.

Ehrlich gesagt: Das Ziel sind weniger und mildere Anfälle. Ein Teil der Hunde wird anfallsfrei, längst nicht alle, und die Behandlung dauert oft ein Leben lang. Gib die Tabletten zu festen Zeiten. Bei einem Hund von wenigen Kilo muss eine Tablette oft geteilt werden, das machst du nur so, wie die Tierärztin es vorgibt. Und setz nie eigenmächtig ab: Abruptes Absetzen kann einen schweren Anfall auslösen. Regelmäßige Blutkontrollen gehören dazu.

Bei einer chronischen Erkrankung wie dieser lohnt ein Blick in die Bedingungen deiner Hundekrankenversicherung: Was bei Vertragsabschluss schon bestand, ist meist nicht versichert, und das gilt auch für Anfälle, die vorher aufgetreten sind.

Erblich, und was das für die Zucht heißt

Erblichkeit spielt bei der idiopathischen Epilepsie des Pudels eine Rolle, einen Gentest gibt es nicht. Der Rat ist deshalb klar: Mit einem Hund, bei dem Epilepsie festgestellt wurde, wird nicht gezüchtet, und ein Fall gehört dem Züchter gemeldet. Frag vor dem Kauf auch, wie die Zuchtordnung des Pudelclubs mit Epilepsie umgeht.

Hat dein Pudel mit Papieren Epilepsie, sag es dem Züchter. Damit schützt du die nächsten Welpenkäufer. Weil es keinen Test gibt, musst du beim Züchter selbst nachfragen, ob Epilepsie in den Linien vorkam. Eine seriöse Züchterin weiß es und sagt es ehrlich. Wer nie etwas von seinen Welpenkäufern hört, etwa der Vermehrer, weiß es schlicht nicht. Das gehört in dieselbe Reihe wie die übrigen Punkte aus dem Überblick zur Gesundheit beim Pudel.

Kurz zusammengefasst

  • Nicht jeder Anfall ist Epilepsie. Bei sehr kleinen Welpen ist Unterzuckerung eine bekannte andere Ursache.
  • Epilepsie kommt bei allen Pudelgrößen vor; beim Großpudel ist eine familiäre Form beschrieben.
  • Im Anfall: Platz schaffen, nicht festhalten, nicht ins Maul greifen, Uhr im Blick, filmen.
  • Länger als 5 Minuten oder Anfälle hintereinander: sofort zum Notdienst.
  • Die Diagnose ist ein Ausschluss: Untersuchung, Blut und Urin, bei Zweifel MRT.
  • Medikamente bringen weniger Anfälle, oft lebenslang. Nie eigenmächtig absetzen.
  • Erblich, ohne Gentest: nicht mit betroffenen Hunden züchten und immer dem Züchter melden.

Häufig gestellte Fragen

Was tue ich, wenn mein Pudel einen epileptischen Anfall hat?

Bleib ruhig, räum alles weg, woran er sich verletzen könnte, und halte ihn von Treppen fern. Halte ihn nicht fest und greif nicht in sein Maul: Ein Hund verschluckt seine Zunge nicht, kann dich aber unbeabsichtigt heftig beißen. Schau auf die Uhr und filme den Anfall, wenn es geht. Dauert er länger als 5 Minuten oder folgt ein Anfall auf den nächsten, fahr sofort zur Tierklinik oder zum tierärztlichen Notdienst.

Ist Epilepsie beim Pudel erblich?

Bei einem Teil der Hunde ja. Beim Großpudel wurde in einer Stammbaumstudie eine familiäre Form beschrieben, und in einer japanischen Studie kam der Toypudel unter Hunden mit idiopathischer Epilepsie am häufigsten vor. Einen Gentest gibt es nicht. Deshalb gehört ein Hund mit diagnostizierter Epilepsie nicht in die Zucht.

Wie stellt die Tierärztin Epilepsie fest?

Durch Ausschluss anderer Ursachen. Sie untersucht den Hund allgemein und neurologisch und macht Blut- und Urinuntersuchungen. Beginnen die Anfälle vor dem 6. Lebensmonat oder nach dem 6. Lebensjahr, oder gibt es zwischen den Anfällen Auffälligkeiten, folgt meist ein MRT bei einer Spezialistin.

Braucht ein Pudel mit Epilepsie lebenslang Medikamente?

Meistens ja. Ziel der Behandlung sind weniger und mildere Anfälle, nicht jeder Hund wird ganz anfallsfrei. Setz die Medikamente nie eigenmächtig ab, denn ein abruptes Absetzen kann gerade einen schweren Anfall auslösen. Das Ausschleichen geschieht nur in Absprache mit der Tierärztin.

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