Augenkrankheiten beim Pudel: PRA, Katarakt und die Augenuntersuchung
Von der Redaktion von The Poodle Guide · Aktualisiert am 17. September 2026

Ein Pudel, der abends plötzlich gegen den Türrahmen läuft, oder ein Schleier, der erst auf einem Foto auffällt: Bei einer Rasse, die in den kleinen Größen 14 bis 16 Jahre alt werden kann, rücken die Augen früher oder später in den Blick. Zwei Erkrankungen können blind machen, die PRA und der Graue Star (Katarakt). Für die erste gibt es einen DNA-Test, für die zweite nicht. Genau dieser Unterschied entscheidet, was du von einer Zuchtstätte erwarten kannst und worauf du selbst achtest.
Was auf der Liste steht, nach Größe
Die ECVO führt für jede Rasse, welche Augenerkrankungen erblich sind oder im Verdacht stehen. Beim Pudel gilt die Liste für alle vier Größen, aber nicht jede Krankheit betrifft jede Größe:
- PRA, prcd-Form: Toy-, Zwerg- und Großpudel, sichtbar ab etwa drei Jahren, DNA-Test vorhanden.
- PRA, rcd4-Form: Zwerg-, Klein- und Großpudel, spät beginnend mit 10 bis 12 Jahren, ebenfalls autosomal-rezessiv (Gen C2orf71).
- Katarakt: alle Größen, Erbgang unbekannt, kein Gentest.
- Glaukom: durch einen engen Kammerwinkel (Anomalie des Ligamentum pectinatum), bei Zwerg-, Toy- und Kleinpudel. Einen Gentest gibt es nicht.
- Distichiasis: zusätzliche Wimpern, die an der Hornhaut reiben können; häufig, in allen Größen.
- Tagblindheit (Zapfendegeneration): beim Großpudel, autosomal-rezessiv, per DB/RD-Test prüfbar.
- Seltener: Hornhautdystrophie, persistierende Pupillarmembranen und beim Zwerg- und Toypudel eine Unterentwicklung des Sehnervs.
Tränende Augen mit braunen Streifen stehen nicht auf dieser Liste. Meist ist das eine Frage des Tränenabflusses, keine erbliche Augenkrankheit; mehr dazu bei den Tränenflecken beim Pudel.
PRA: erst die Dämmerung, dann der Tag
Bei der prcd-PRA bauen zuerst die Stäbchen in der Netzhaut ab, die Zellen für das Sehen bei wenig Licht. Das erste Zeichen ist also Nachtblindheit: Zögern in der Dämmerung, der dunkle Flur wird gemieden. Danach folgen die Zapfen, und auch das Sehen am Tag verschwindet. Die Beschwerden beginnen meist mit drei bis fünf Jahren und können in vollständiger Blindheit enden. Eine Behandlung gibt es nicht.
Vorbeugen lässt sich dagegen gut. Ein Welpe erkrankt nur, wenn er die veränderte Variante von beiden Eltern erbt. Mit einem Backenabstrich weiß die Züchterin, ob ihr Hund frei, Träger oder betroffen ist. Der Grundsatz in der Zucht: Einen Träger nur mit einem freien Partner verpaaren, nie Träger mit Träger oder mit einem betroffenen Hund. Zwei frei getestete Eltern geben die prcd-PRA nicht weiter.
Katarakt: häufig, aber ohne Test
Beim Katarakt trübt die Linse ein, und das Licht erreicht die Netzhaut nicht mehr. Die Zahlen stammen vor allem von den kleinen Größen. In einer nordamerikanischen Studie (Gelatt und MacKay, 2005) hatten 10,2 Prozent der Toypudel einen Katarakt. In einer Untersuchung der Seoul National University (Park und Kollegen, 2009) an 561 kleinen Hunden mit Katarakt stellten Zwerg- und Toypudel zusammen 20,0 Prozent, mit einer Odds Ratio von 2,6; Hündinnen waren doppelt so oft betroffen wie Rüden. Beim Zwergpudel, hierzulande der meistgesuchten Größe, lag das Durchschnittsalter bei der Diagnose bei 9,6 Jahren. Ein erblicher Katarakt kann aber schon bei Welpen mit 8 bis 12 Wochen sichtbar sein.
Einen DNA-Test für den Katarakt gibt es beim Pudel nicht. Das einzige Mittel ist die regelmäßige Augenuntersuchung der Elterntiere, und die erfasst nur Hunde, bei denen die Trübung schon zu sehen ist.
Achte auf Diabetes. Pudel haben ein erhöhtes Risiko für Zuckerkrankheit. In schwedischen Versicherungsdaten waren es 24 Fälle pro 10.000 Hundejahre, gegenüber 13 in der Gesamtpopulation. In einer Studie an 200 diabetischen Hunden (Beam und Kollegen, 1999) hatte die Hälfte nach etwa sechs Monaten einen Katarakt, 75 Prozent nach einem Jahr und 80 Prozent nach 16 Monaten. Viel Trinken und häufiges Urinieren beim älteren Pudel ist also auch ein Augenthema. Ein gesundes Gewicht senkt das Diabetesrisiko.
Altersschleier oder Grauer Star?
Fast jeder Hund über sieben Jahre bekommt einen blaugrauen Schimmer auf der Linse, die nukleäre Sklerose. Die Linse verhärtet mit den Jahren, lässt das Licht aber durch, und der Hund sieht nahezu normal. Kann die Tierärztin mit dem Augenspiegel die Netzhaut noch erkennen, ist es meist eine Sklerose. Trübt das Auge rasch ein oder stößt dein Hund irgendwo an, lass es zeitnah ansehen. Mehr über alternde Hunde steht bei Pudel im Alter.
Wann ist es ein Notfall?
Ein rotes oder trübes Auge, das dein Hund schmerzhaft zukneift, eine weite Pupille oder ein Auge, das größer wirkt als das andere: Das kann ein akutes Glaukom sein. Ruf sofort die Tierarztpraxis oder den Notdienst an, auch nachts. Ohne rasche Drucksenkung kann das Auge innerhalb von 24 bis 48 Stunden erblinden.
Operieren oder nicht
Ein Katarakt lässt sich operieren. Bei der Phakoemulsifikation wird die trübe Linse über einen kleinen Schnitt zertrümmert und abgesaugt, meist folgt eine Kunstlinse. Vorher prüft die Augenärztin mit Ultraschall und Elektroretinogramm (ERG), ob die Netzhaut noch arbeitet, denn bei einer PRA bringt eine neue Linse nichts. Bei mehr als 90 Prozent verbessert sich das Sehen. Am häufigsten sind Entzündungen, die schwersten Komplikationen sind Glaukom (rund 5 Prozent) und Netzhautablösung. Die Kosten richten sich nach der GOT; verlange einen schriftlichen Kostenvoranschlag. Eine Hundekrankenversicherung zahlt nur für Erkrankungen, die bei Abschluss noch nicht bekannt waren.
Leben mit wenig Sehkraft
Hunde verlassen sich stark auf Nase und Gehör. Die wichtigste Regel: Lass die Einrichtung, wie sie ist, auch Futter- und Wassernapf. Sichere die Treppe mit einem Gitter, mach dich bemerkbar, bevor du deinen Hund berührst, und gib der Nase Arbeit mit Such- und Schnüffelspielen. Ideen findest du bei der Beschäftigung für Pudel.
Was du die Zuchtstätte fragst
Im VDH verlangen die Pudelzuchtvereine, etwa der Deutsche Pudel-Klub, für Zuchthunde eine Augenuntersuchung, dazu den DNA-Test auf prcd-PRA und die Untersuchung auf Patellaluxation. Untersuchen dürfen nur anerkannte Tieraugenärzte; in Deutschland ist das der DOK (Dortmunder Kreis), dessen Untersuchungen nach dem ECVO-Schema laufen. Der DNA-Test genügt einmal, die Augenuntersuchung wird jährlich wiederholt, solange mit dem Hund gezüchtet wird; der Befund gilt zwölf Monate. Frag also nach Befunden beider Eltern, gültig am Decktag. Wer da ausweicht, züchtet nicht, sondern vermehrt. Da ein Welpe nach der Tierschutz-Hundeverordnung frühestens mit acht Wochen von der Mutter getrennt werden darf, hast du Zeit, das zu klären. Mehr bei den Zwergpudel-Züchtern und zur Gesundheit des Toypudels.
Kurz zusammengefasst
- PRA beginnt mit Nachtblindheit, meist ab drei bis fünf Jahren. Heilbar ist sie nicht, aber die prcd-Form lässt sich per DNA-Test ausschließen.
- Der Katarakt betrifft alle Größen, besonders häufig Toy- und Zwergpudel. Einen Gentest gibt es nicht, also zählt die jährliche Augenuntersuchung der Eltern.
- Ein blauer Schimmer beim alten Hund ist meist harmlose Linsensklerose. Rasche Trübung oder Anstoßen lässt du zeitnah abklären.
- Ein rotes, schmerzendes Auge mit weiter Pupille ist ein Notfall: Ein Glaukom kann in ein bis zwei Tagen blind machen.
- Die Kataraktoperation hilft in über 90 Prozent der Fälle; die Kosten klärst du vorab per Kostenvoranschlag.




