Ohrenpflege beim Pudel: Ohren reinigen und Entzündungen vorbeugen
Von der Redaktion von The Poodle Guide · Aktualisiert am 24. Juli 2026

Ohrenpflege beim Pudel ist wichtiger als bei den meisten anderen Rassen, und das hat einen rassetypischen Grund: Pudeln wachsen Haare im Gehörgang. Unter dem schweren Hängeohr entsteht so ein warmes, schlecht belüftetes Klima, in dem Feuchtigkeit hängen bleibt – ideale Bedingungen für Ohrentzündungen. Die Kurzformel für gesunde Pudelohren: wöchentlich kontrollieren, nur bei Bedarf mit einem Ohrreiniger für Hunde säubern, niemals mit Wattestäbchen in den Gehörgang, und nach dem Schwimmen die Ohren trocknen. Wie das alles praktisch geht, liest du hier – gültig für alle vier Größen, vom Toypudel bis zum Großpudel.
Warum Pudelohren besondere Pflege brauchen
Drei Faktoren kommen beim Pudel zusammen:
- Haarwuchs im Gehörgang: Das Pudelfell wächst kontinuierlich – auch im Ohr. Die Haare halten Ohrenschmalz und Feuchtigkeit fest und behindern die Belüftung.
- Hängeohren: Die schweren, dicht behaarten Ohren liegen wie ein Deckel über der Ohröffnung. Wärme und Feuchtigkeit können schlecht entweichen.
- Wasserfreude: Viele Pudel schwimmen für ihr Leben gern – die Rasse wurde einst für die Wasserarbeit gezüchtet. Bleibt danach Wasser im Ohr, steigt das Entzündungsrisiko deutlich.
Feuchtigkeit plus Haare plus wenig Luft: Genau diese Kombination macht Ohrprobleme zu einem der häufigeren Gesundheitsthemen beim Pudel. Die gute Nachricht: Mit einer einfachen Wochenroutine bekommst du das Risiko gut in den Griff.
Die wöchentliche Ohrenkontrolle
Nimm dir einmal pro Woche eine Minute – zum Beispiel beim Kuscheln auf dem Sofa oder als fester Teil der Fellpflege-Routine, ähnlich wie das Bürsten zwischen den Scherterminen alle sechs bis acht Wochen. Hebe das Ohr an und prüfe:
- Farbe: Die Haut im Ohr sollte blassrosa sein – nicht rot, nicht geschwollen.
- Geruch: Ein gesundes Ohr riecht neutral bis leicht warm-hundig. Süßlicher, hefiger oder fauliger Geruch ist ein Alarmzeichen.
- Sauberkeit: Etwas hellbraunes Ohrenschmalz ist normal. Dunkle, krümelige oder feuchte Beläge sind es nicht.
- Verhalten: Zuckt dein Hund weg oder mag er die Berührung am Ohr plötzlich nicht mehr? Auch das ist ein Hinweis.
Beginne mit dieser Routine am besten schon beim Welpen: Ein Pudel, der Ohren-Anfassen von klein auf als normal (und mit Leckerli verbunden) kennt, macht dir und später dem Tierarzt das Leben deutlich leichter.
Ohren reinigen: so geht es richtig
Wichtig vorweg: Ein sauberes, geruchloses Ohr braucht keine Reinigung. Zu häufiges Putzen reizt die empfindliche Haut und kann das Problem erzeugen, das es verhindern soll. Siehst du aber sichtbares Schmalz, gehst du so vor:
- Verwende einen Ohrreiniger für Hunde aus dem Fachhandel oder von deiner Tierarztpraxis – kein Wasser, kein Alkohol, keine Hausmittel wie Essig.
- Fülle den Gehörgang mit der Reinigungslösung, so wie auf der Packung beschrieben, und massiere den Ohransatz unterhalb der Ohröffnung etwa 20 bis 30 Sekunden sanft. Du hörst dabei ein leises Schmatzen – das ist die Lösung, die den Schmutz löst.
- Lass deinen Hund schütteln. Das befördert den gelösten Schmutz nach außen – am besten machst du das Ganze draußen oder im Badezimmer.
- Wische die Ohrmuschel und den sichtbaren Eingang mit einem weichen Tuch oder Wattepad aus. Nur so weit, wie dein Finger bequem reicht.
Und die wichtigste Regel von allen: Niemals ein Wattestäbchen tief in den Gehörgang. Der Gehörgang des Hundes macht einen Knick – mit dem Stäbchen schiebst du Schmalz vor den Knick, verdichtest ihn dort und riskierst Verletzungen des Trommelfells. Wattestäbchen haben höchstens in den äußeren Falten der Ohrmuschel etwas zu suchen, nie im Kanal.
Nach dem Schwimmen, Baden oder einem Regenspaziergang mit nassen Ohren gilt außerdem: Ohrmuschel und Ohransatz mit einem Handtuch trockentupfen. Diese zehn Sekunden sind die billigste Entzündungsprophylaxe, die es gibt.
Ohrenhaare zupfen: ja oder nein?
Früher galt es als Standard, die Haare aus dem Pudel-Gehörgang routinemäßig zu zupfen. Heute ist das Thema umstritten – und zwar aus gutem Grund: Zupfen schafft zwar Luft im Gehörgang, hinterlässt aber winzige Verletzungen der Haarfollikel, die selbst zur Eintrittspforte für Bakterien werden können. Manche Hunde haben nach dem Zupfen mehr Ohrprobleme als vorher, andere profitieren davon, weil ihr Gehörgang sehr dicht bewachsen ist.
Unsere klare Empfehlung: Zupfe nie auf eigene Faust, und schon gar nicht mit den Fingern oder einer Pinzette bei einem unvorbereiteten Hund. Besprich das Thema mit deinem Hundefriseur und deiner Tierarztpraxis: Sie sehen, wie dicht der Bewuchs bei deinem Hund tatsächlich ist und ob er zu Ohrproblemen neigt. Bei vielen Pudeln reicht es völlig, überstehende Haare am Ohreingang kurz zu schneiden statt zu zupfen. In Deutschland gehört der Griff zu den Ohren bei einem guten Hundefriseur ohnehin zum Standard-Termin – sprich es dort einfach aktiv an.
Warnsignale: wann zum Tierarzt?
Eine Ohrentzündung ist schmerzhaft, verschwindet selten von selbst und wird unbehandelt schnell chronisch. Geh direkt in die Praxis bei:
- Häufigem Kopfschütteln oder anhaltendem Kratzen am Ohr
- Schiefhaltung des Kopfes
- Unangenehmem Geruch, Rötung, Schwellung oder Ausfluss
- Schmerzreaktion bei Berührung am Ohr oder Kopf
- Plötzlicher Unlust, Teilnahmslosigkeit oder Gleichgewichtsproblemen
Wichtig: Verwende bei Verdacht auf eine Entzündung keinen Ohrreiniger und keine Restmedikamente von früher, bevor der Tierarzt hineingeschaut hat. Ist das Trommelfell beschädigt, können manche Mittel ernsten Schaden anrichten. Erst die Diagnose, dann die Tropfen. Gerade beim älteren Pudel, der ohnehin schlechter hört, lohnt es sich, die Ohren bei jeder Vorsorge mit kontrollieren zu lassen.
Ohrenpflege in den Alltag einbauen
Der einfachste Weg, nichts zu vergessen: Kopple die Ohrenkontrolle an feste Anker. Viele Halter nutzen das wöchentliche Durchbürsten als Kombi-Termin – Fell, Augen, Ohren, Pfoten in einem Durchgang. Der Hundefriseur-Termin alle sechs bis acht Wochen ist der zweite Anker: Bitte dort aktiv darum, in die Ohren zu schauen und die Haare rund um den Ohreingang mit zu kürzen. Und im Sommer, wenn Badeseen und Planschbecken locken, wird das Ohren-Trocknen nach jedem Wasserkontakt zur festen Gewohnheit – genau in dieser Jahreszeit sehen Tierarztpraxen die meisten Ohrentzündungen.
Ein letzter Punkt für Halter mit mehreren Baustellen: Wiederkehrende Ohrentzündungen trotz guter Pflege sind ein Muster, kein Pech. Dahinter kann eine Allergie stecken (Futter oder Umwelt), die sich beim Hund gern zuerst an Ohren und Pfoten zeigt. In dem Fall behandelt die Praxis das Symptom im Ohr und sucht gemeinsam mit dir nach der eigentlichen Ursache – das erspart deinem Pudel den frustrierenden Kreislauf aus Tropfen, Ruhe und Rückfall.
Kurz zusammengefasst
- Pudel haben Haare im Gehörgang plus Hängeohren – Feuchtigkeit und wenig Belüftung machen sie anfällig für Ohrentzündungen.
- Wöchentlich kontrollieren (Farbe, Geruch, Sauberkeit), aber nur bei sichtbarem Schmutz reinigen – mit Ohrreiniger für Hunde.
- Niemals Wattestäbchen tief ins Ohr: Sie verdichten den Schmalz und können das Trommelfell verletzen.
- Nach dem Schwimmen oder Baden die Ohren immer trocknen.
- Ohrenhaare zupfen ist umstritten: nie selbst zupfen, sondern Hundefriseur oder Tierarzt entscheiden lassen.
- Geruch, Rötung, Kopfschütteln oder Schmerz: direkt zum Tierarzt, ohne vorher selbst zu behandeln.




