Zahnwechsel beim Pudel: von 28 Milchzähnen zu 42 bleibenden Zähnen
Von der Redaktion von The Poodle Guide · Aktualisiert am 17. August 2026

Irgendwann zwischen dem dritten und dem siebten Lebensmonat tauscht dein Pudel sein komplettes Gebiss aus. 28 Milchzähne fallen aus, 42 bleibende Zähne kommen nach, und von dieser Großbaustelle merkst du meist wenig mehr als zusätzliche Kaulust und gelegentlich einen roten Fleck auf einem Spielzeug. Der Ablauf ist bei allen vier Pudelgrößen derselbe, vom Großpudel bis zum Toypudel. Eine Komplikation betrifft allerdings fast nur die kleinen Größen.
Der normale Ablauf: 28 Milchzähne, 42 bleibende
Die Milchzähne brechen schon beim Züchter durch, ab etwa der dritten Lebenswoche, und mit rund sechs Wochen bis zwei Monaten ist das Milchgebiss vollständig: 28 Stück. Wenn dein Welpe frühestens mit acht Wochen einzieht, wie es die Tierschutz-Hundeverordnung vorschreibt und VDH-Züchter selbstverständlich handhaben, kommt er also mit komplettem Milchgebiss zu dir.
Der Zahnwechsel selbst startet in der Regel im dritten bis vierten Monat, und praktisch immer mit den Schneidezähnen vorn. Danach folgen die Eckzähne und die Prämolaren. Rund um den sechsten bis siebten Monat ist die Sache durch und das bleibende Gebiss steht: 42 Zähne. Hinten im Kiefer kommen dabei Backenzähne dazu, die gar keinen Milchvorgänger hatten, die wachsen einfach neu. Kleine Rassen hinken großen dabei oft ein paar Wochen hinterher: Ist dein Zwergpudel später dran als der Labrador aus der Welpengruppe, ist das kein Alarmsignal.
Zu sehen bekommst du davon meist wenig: Welpen verschlucken ihre Milchzähne beim Fressen fast immer unbemerkt, das Sammelschälchen auf der Fensterbank bleibt also leer. Eine winzige Menge Blut ist normal und fällt höchstens als leichte Rotfärbung auf einem Kauspielzeug auf.
Warum es bei Toy- und Zwergpudeln häufiger schiefgeht
Normalerweise löst sich die Wurzel eines Milchzahns auf, sobald der bleibende Zahn darunter nach oben drückt, und der Milchzahn fällt von allein aus. Passiert das nicht, bleibt der Milchzahn fest sitzen, während der bleibende Zahn schon daneben durchbricht. Das nennt sich persistierender Milchzahn, und es ist ein Problem der Toy-Rassen: Der Toypudel wird in der Tierzahnheilkunde standardmäßig zusammen mit Yorkshire Terrier, Malteser und Chihuahua genannt.
Am häufigsten trifft es die Eckzähne, allen voran die oberen, danach die unteren, dann die Schneidezähne. Die Kernregel, die Tierärztinnen und Tierärzte hier anlegen, ist kurz: An derselben Stelle dürfen nie zwei Zähne gleichzeitig stehen. Bleibt trotzdem einer stehen, passieren zwei Dinge. Erstens wird der bleibende Zahn zur Seite gedrängt. Bleibt ein unterer Milcheckzahn stehen, muss der bleibende Eckzahn an der Innenseite nach oben wachsen, mit der Spitze Richtung Gaumen. Diese Spitze kann den Gaumen tatsächlich verletzen, was schmerzhaft ist und beim Fressen stört.
Zweitens entsteht Engstand. Zwei Zähne auf dem Platz von einem bilden eine Nische, in der Futter und Plaque hängen bleiben. In dem ohnehin knappen Kiefer eines Toypudels von zwei bis viereinhalb Kilo ist das genau das, was er am wenigsten gebrauchen kann: Zahnstein, Gingivitis und auf Dauer Parodontitis. Beim Klein- und Großpudel mit ihren geräumigeren Kiefern kommt das deutlich seltener vor. Warum kleine Pudel generell anfällig für Gebissprobleme sind, liest du in unserem Artikel zur Zahnpflege beim Pudel.
Wann du in die Tierarztpraxis gehst
Die praktische Norm: Steht der bleibende Zahn und sitzt der Milchzahn eine Woche später immer noch daneben, muss er raus, und zwar möglichst bald. Ein persistierender Milchzahn verschwindet nicht doch noch von allein.
Ein Detail, das häufig schiefgeht: Warte damit nicht bis zu einem anderen Narkosetermin, etwa der Kastration oder Sterilisation um den sechsten Monat. Je früher der Milchzahn weg ist, desto größer ist die Chance, dass der bleibende Zahn noch in seine richtige Position rutscht. Wer zu lange wartet, behält eine Fehlstellung, die sich danach nur noch kieferorthopädisch durch eine Spezialistin oder einen Spezialisten korrigieren lässt. Entfernt wird unter Narkose, und das erfordert sorgfältige Arbeit: Milchzahnwurzeln sind dünn und brechen leicht, und der Zahnkeim des bleibenden Zahns liegt direkt daneben.
Lass das Gebiss deshalb bei den Kontrollen in den ersten Monaten ausdrücklich mit anschauen und frag um den vierten und sechsten Monat gezielt nach, ob alles sauber gewechselt hat. Schau auch selbst regelmäßig nach: Lippe anheben, Eckzähne zählen, auf doppelte Exemplare achten. Ob so ein Eingriff über deine Police läuft, hängt stark vom Anbieter ab, ein Blick in den Ratgeber zur Hundekrankenversicherung für Pudel lohnt sich vorher. Das Gebiss der Elterntiere gehört übrigens zu den Dingen, die ein guter Züchter dir bereitwillig zeigt.
Ansonsten rufst du an bei anhaltender Blutung, deutlichen Schmerzen, Speicheln, Fressunlust, einer Schwellung im Maul oder einem bleibenden Zahn, der nach sieben Monaten immer noch fehlt.
Kauen während des Zahnwechsels
Kauen entlastet, und in diesen Monaten will dein Welpe alles ausprobieren. Gib ihm dafür passendes Material, denn hier passiert der häufigste Fehler: zu hart. Tierzahnärzte haben dafür eine einfache Faustregel, nämlich den Hund nichts kauen zu lassen, was nicht nachgibt. Kannst du es weder mit dem Fingernagel eindrücken noch mit den Händen biegen, ist es zu hart. Knochen, Geweihstücke und steinhartes Nylon fallen damit weg, auch für erwachsene Hunde. Ein abgebrochener Zahn ist schnell passiert, und beim Toypudel geht es um sehr kleine Zähne.
Was funktioniert: weiches Kauspielzeug in passender Größe und ein befüllbares Spielzeug, das du einfrierst, denn die Kälte beruhigt das empfindliche Zahnfleisch. Wichtiger noch ist Kopfarbeit, denn ein ausgelasteter Pudel kaut weniger aus Langeweile. Ideen dafür findest du bei der Beschäftigung für Pudel. Übrigens lässt die übermäßige Kaulust erst deutlich nach dem Zahnwechsel nach, meist um den achtzehnten Monat, rechne also nicht damit, dass mit sieben Monaten Schluss ist. Halte Schuhe und Kabel so lange außer Reichweite, genau wie in den ersten Wochen.
Nutze die Zeit außerdem, um das Zähneputzen aufzubauen: Bei empfindlichem Zahnfleisch startest du mit einem Fingerling und ganz kurzen Einheiten. Wie du das ruhig antrainierst, steht im Putzartikel.
Kurz zusammengefasst
- 28 Milchzähne, vollständig mit rund sechs Wochen bis zwei Monaten.
- Zahnwechsel etwa vom dritten bis siebten Monat, erst Schneidezähne, dann Eckzähne und Prämolaren.
- Endergebnis: 42 bleibende Zähne, kleine Pudelgrößen sind oft etwas später dran als große.
- Verschluckte Milchzähne und eine Spur Blut auf dem Spielzeug: normal.
- Milchzahn, der neben dem bleibenden Zahn stehen bleibt: nie normal, innerhalb einer Woche beurteilen lassen und nicht bis zur Kastration aufschieben.
- Kaumaterial muss nachgeben, sonst brechen Zähne ab.




